Warum Du KEINE Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen solltest
…ohne vorab Deine Krankenakte anzufordern.

Damit wir uns wegen des Titels nicht falsch verstehen: eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist in den allermeisten Fällen wichtig und auch richtig! Denn immerhin möchtest Du ja, dass Deine Ausgaben auch im Falle einer längeren Krankheit abgedeckt sind, oder? 😉

Allerdings solltest Du Dich vor dem Abschluss einer solchen Versicherungen unbedingt mit Deiner Krankenhistorie beschäftigen. Im Antrag bekommst Du hierzu nämlich sehr ausführlich Fragen gestellt: Wie Du Dich in den letzten drei bis zehn Jahren gefühlt hast, behandelt und untersucht worden bist.

Wenn Du jetzt denkst: “So oft war ich doch gar nicht in Behandlung und kenne all meine Diagnosen”, solltest Du kurz darüber sinnieren, ob Du wirklich sicher sein kannst, was alles in Deinen Akten steht. Wie viele Diagnosen hast Du schriftlich bekommen? In der Regel wissen insbesondere Personen, die in einer gesetzlichen Krankenkasse versichert sind, nicht so genau darüber Bescheid. Das liegt ganz einfach daran, dass Du in aller Regel keinen schriftlichen Befund erhältst.

Leider führt dies immer wieder dazu, dass in den Krankenakten Dinge stehen, von denen der Patient gar nichts weiß. Die Folge: Im Antrag werden “falsche” Angaben gemacht. Wenn die Versicherung nun im Leistungsfall nachprüft, was in der Krankenakte bei den Ärzten steht und die “Falschangabe” feststellt, ist diese im schlimmsten Fall nicht nur leistungsfrei, sondern kann auch noch den Vertrag aufheben und muss Dir nichtmal Deine eingezahlten Beiträge zurück erstatten. Da Du eine Versicherung jedoch abschließt, damit DU im Fall der Fälle auch was davon hast und Dir zumindest um die finanziellen Angelegenheiten keine Sorgen machen musst, sollte ein Vertrag entsprechend rechtssicher eingerichtet werden.

Warum kommt es zu falschen Diagnosen und Falschangaben in der Krankenakte?
Ein Grund ist ganz simpel: Leute lassen sich einmalig oder auch wiederholt krankschreiben, ohne wirklich etwas zu haben. Arbeitsunlust, Klausurenphase, Stress mit Kollegen…
Da Dein Arzt immer eine Diagnose für eine Krankschreibung hinterlegen muss, steht dann auch hierzu etwas in Deiner Akte.

Es gibt aber noch ein viel größeres Problem, das vielen nicht bewusst ist: die Verteilung der Gelder an die Krankenkassen.
Kurz zusammen gefasst, erhalten die Krankenkassen, die die meisten Schwerkranken versichert haben, das meiste Geld aus dem Gesundheitsfonds. Deshalb werden für Ärzte (finanzielle) Anreize geschaffen, schwere Diagnosen frühzeitig zu stellen. Da kann eine depressive Verstimmung schonmal mit einer Depression verwechselt werden.

Wer könnte das besser erklären als Jens Baas, Chef der Techniker Krankenkasse? Sieht Dir hier das Interview an, in dem er den Skandal aufgedeckt hat.

Wie komme ich nun an meine Krankenakte?
Damit Du Deine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen kannst und dabei auch noch rechtssicher bist, was die Gesundheitsfragen angeht, zeigen wir Dir nun, wie Du an die Unterlagen heran kommst.
Zu erst einmal: Du hast ein Recht darauf, diese Dokumente zu erhalten! Lass Dir nichts anderes einreden, es handelt sich um Deine Daten! Lediglich wenn erhebliche therapeutische Gründe oder sonstige erhebliche Rechte Dritte entgegenstehen, kann eine Herausgabe verweigert werden, dies sollte allerdings eher selten vorkommen.
Die einfachste Möglichkeit ist es, Deine gesamten Unterlagen (Krankenakte, Befunde, Untersuchungsberichte, etc.) einfach telefonisch anzufordern und/oder persönlich abzuholen. Hierbei kannst Du zur Not auch gleich mitteilen, dass Du eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen möchtest und die Unterlagen hierfür benötigst. Das ist rechtlich zwar nicht erforderlich, kann aber zu einem weiteren guten Verhältnis zum Arzt jedoch beitragen. Es könnte sich ja jemand angegriffen fühlen, wenn Du aus dem Nichts Deine ganzen Unterlagen anforderst und dabei auch noch mit Paragraphen um Dich wirfst.

Sollte die mündliche Anforderung jedoch nicht gelingen und sich der Arzt querstellen, habe ich eine Vordruck für Dich vorbereitet. Mit diesem Dokument kannst Du Deine Unterlagen schriftlich anfordern, inkl. Rechtsgrundlage: Anforderung Krankenakte Arzt

Sollte wider Erwarten auch das nicht funktionieren, gibt es noch die Möglichkeit die Diagnosen bei der Kassenärztlichen Vereinigung anzufordern: Anforderung Diagnosen KV

Nachdem Du Deine Unterlagen erhalten hast, kannst Du prüfen, ob alle Angaben passen. Zusammen mit Deinem Versicherungsvermittler (im besten Fall mit uns ☺️) kannst Du nun eine anonyme Risikovoranfrage bei mehreren Gesellschaften stellen um herauszufinden, wo Du das beste Angebot erhältst.

Solltest Du mit Deinen Diagnosen nicht “einverstanden” sein, ist ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt unbedingt erforderlich. Es wird schwierig ihn dazu zu bringen, eine Falschdiagnose zu korrigieren. Jedoch kann eine erneute Untersuchung und Bestätigung, welche Symptome in der Vergangenheit genau auftraten sowie über den aktuellen Status weiterhelfen. Auch diese Unterlagen können dann zur Voranfrage bei den Versicherern eingereicht werden und helfen weiter. Wenn Du nur angibst “Diagnose X im Jahr Y”, ist das eben wesentlich schwerer zu beurteilen und führt eher zu einem Ausschluss als “Diagnose X, allerdings ausgeheilt, bestätigt von Dr. xxx, Symptome in der Vergangenheit, Symptome heute,…”.

Fazit:
Möchtest Du nun immer noch Deine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, ohne Anforderung Deiner Krankenakte? Dies könnte gutgehen wenn:

  • in Deiner Akte ohnehin nichts steht
  • Du niemals berufsunfähig wirst
  • Du beim Eintritt der Berufsunfähigkeit mindestens zehn Jahre versichert warst

Wie Du siehst, kann der Abschluss ohne diesen wichtigen Schritt katastrophale Konsequenzen haben: wenn Du weder eine Leistung noch Dein Geld zurück erhältst.

Um auf Nummer sicher zu gehen, solltest Du diese Punkte zu Deinem eigenen Schutz jedoch vor Abschluss klären. Gern sind wir Dir dabei auch behilflich und erstellen im Anschluss die richtige Strategie mit Dir und finden den passenden Tarif und Versicherer!

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